Mottenmann

Zu Hause in der Radiozone (reboot.fm, 11.3.2004)
(Re-Broadcast (excerpt): Deutschlandradio Kultur, 2014)



Stimmen aus dem Radio kennen alle, aber was ist mit den anderen? Jene, die von Erlebnissen aus der Zwischenwelt künden und die nur von Stimmenhörern empfangen werden können?

DJ Officer Officer schlüpft in die Rolle des fiktiven Stimmenhörers Mittig, der in Berlin unterwegs ist. Es ist ein Höllentrip, der ihn mit der U-Bahn zum Bahnhof Zoo und in die umliegende City-West bringt. Dort lauern die Stimmen überall: sie dringen aus Rissen in Beton und Gehwegplatten, von Bordsteinkanten, dem U-Bahnfernsehen oder aus Videowänden an Mittigs Ohr und treiben ihn immer weiter in den Wahnsinn.

Dass diese Stimmen keine singulären Ereignisse sind, dürfte jedem klar sein, der schon einmal vom Phänomen des Mottenmannns gehört hat. Jener Erscheinung, die in elektronischen Schaltkreisen um Rechenzentren, Mobiltelefone, Ampeln und Pager zu Hause ist und Stimmenhörern wie Mittig auch den kleinsten Anflug von Privatsphäre verwehrt.

Mittigs Irrwege durch ein Berlin der urbanen Geselligkeiten finden statt auf dem schlüpfrigen Grund abstrakter elektronischer Sounds. Eine von DJ Paul Paulun in einer flüchtigen Spontankomposition geschaffene Klangwelt, die immer wieder von ATC's Superhit Around the World eingeholt wird, vor dem es kein Entrinnen gibt.

Heinrich Dubel und Paul Paulun bereiteten diese Folge der Serie Die geile Mucke der Elenden/Die Hölle ist eine schöne Muschel aus Berlin getrennt vor und brachten ihre jeweiligen Überlegungen erst in der Livesendung auf reboot.fm zusammen.



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Autoren:

Heinrich Dubel, Paul Paulun

Produktion:

reboot.fm

Länge:

59.44 Minuten

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