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Bedeutungsebenen von Field-Recordings

Anhand von 20 Klangbeispielen werden drei Kategorien von Field-Recordings betrachtet und verschiedene Bedeutungsebenen untersucht, die aufgenommenen Geräuschen innewohnen können.

Reine Dokumentationen leben von der Unmittelbarkeit ihrer Klänge. Sie berichten unverfälscht und ungeschnitten von soziokulturellen Phänomenen oder eröffnen intime Einblicke auf Orte und Situationen. Vertreter dieser Kunstrichtung wie Alejandra + Aeron oder Chris Watson bestimmen lediglich die Mikrofonposition sowie Beginn und Ende einer Aufnahme.

Für die in Form von Kompositionen oder arrangierten Montagen auftretenden kommentierenden Dokumentationen sind Brüche und Überlappungen oder spezielle Aufnahmetechniken charakteristisch. Vom ersten mit Field-Recordings operierenden Stück, Walter Ruttmanns Weekend aus dem Jahr 1930, bis zu den Städteportraits der vom WDR in den 80er Jahren initiierten Metropolis-Reihe sind in dieser Sparte vorwiegend Annäherungen an Orte zu finden. Die persönlich gefärbten Darstellungen von Künstlern wie Bill Fontana oder Luc Ferrari sind oft von einem spielerischen Umgang mit klanglichen Fundstücken geprägt, die ihnen beim Umherstreifen begegnet sind.

Musiker wie Pierre Henry oder Ultra-Red schließlich nutzen Field-Recordings als Ausgangsmaterial, um sie mittels Effekten weiter zu bearbeiten und somit neue Klänge zu generieren. Bei der Wahl ihrer Klangquellen gehen sie meist konzeptuell und thematisch vor. Oft sind die Arbeiten dieses Bereichs politischer Natur und/oder erzählen Geschichten in Form einzelner Tracks oder Kapitel. Das eigentlich aufgenommene Geräusch taucht in unterschiedlichen Anteilen im fertigen Stück auf und ist gelegentlich nur noch in homöopathischer Dosis vorhanden. Produzenten wie Matthew Herbert oder Theo Parrish bewegen sich mit ihren Aufnahmen im Grenzbereich zwischen Field-Recording und Sampling.

Dauer: 2 Stunden




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Bild: Paulun