An Anthology of Noise & Electronic Music / Second A-Chronology 1936-2003

Dass es ein Himmelfahrtskommando ist, eine Anthologie Ektronischer Musik zusammenzustellen, ist auch Guy Marc Hinant klar, der die Musik der beiden CDs kompiliert hat. Zwar trifft man auch hier auf die üblichen Verdächtigen wie Vladimir Ussachevsky, Luc Ferrari oder Morton Subotnick und knarzende, Grenzen der 50er Jahre auslotende Kompositionen. Jedoch sind diesen Stücken solche von weniger bekannten Musikern gegenübergestellt. Etwa ein aktuelles von Tod Dockstader, dem in den 60er Jahren der Zugang zu elektronischen Klangerzeugern verwehrt wurde, weil er keine ausreichende akademische Qualifikation besaß. Oder das strenge, sich auf unheimliche Art anschleichende Thereminkonstrukt von Johanna M. Beyer, die 1924 von Deutschland nach New York ging und dort aufgrund ihres sozialen Status und ihrer Position als Frau eine recht einsame Zeit als Musikerin verbrachte. Dass man beim Thema einer solchen Anthologie auf Stücke von Laibach oder das geniale, alles zersetzende 'Slogun' von SPK kommt, liegt fast noch nahe - eine wirkliche Erweiterung erfährt die Compilation allerdings durch die Musik von Sun Ra und Captain Beefheart, über den es auch noch einen aufschlussreichen QuickTime-Film gibt. Der Zusammenstellung liegt wirklich gutes Denken zugrunde, was sich nicht zuletzt in einem umfassenden Booklet und der erstaunlichen Tatsache manifestiert, dass sich sogar die Popstücke von Scanner oder Sean Booth und Rob Young mit Autechre einigermaßen widerspruchsfrei in die Gesamtarchitektur dieser Anthologie einfügen. (03/03)


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