Robert Ashley - Tap Dancing in the Sand

Das Amsterdamer Ensemble MAE begann 1980 unter der Leitung seines Gründers Maarten Altena zunächst als improvisierendes Kollektiv. Im Laufe der Jahre öffnete es sich allerdings zunehmend neueren musikalischen und interdisziplinären Strömungen. Der aktuelle Leiter des Ensembles, Yannis Kyriakides, mag es ebenfalls vielfältig: auf dem Label unsounds, das er gemeinsam mit dem Rockmusiker Andy Moor (The Ex) betreibt, findet sich ein buntes Sammelsurium musikalischer Stile. Kyriakides’ eigene Kompositionen sind neben ihren oft politischen Inhalten dafür bekannt, dass sie auf der Bühne häufig elaborierte Formen des Musiktheaters annehmen. Da auch die Werke Robert Ashleys ihre volle Wirkung erst auf der Bühne entfalten, liegt die Vermutung nahe, dass Kyriakides diese Analogie gereizt haben mag, als er beschloss Interpretationen des nunmehr fast 80jährigen Robert Ashley mit dem MAE aufzuführen.

Ashleys Arbeiten sind sprachlich wie thematisch vornehmlich in amerikanischen Gefilden verortet. Da mutet es zunächst merkwürdig an, dass unter den fünf Stücken eine holländische Version zu finden ist. Die mehrstimmig vorgetragene Geschichte 'Hidden Similarities' beruht auf einem Entwurf Ashleys und beschreibt das Leben einer sich beständig neu erfindenden Frau. Wie bei den von Ashley selbst vorgetragenen Werken überschreitet die Sprache auch hier nach kurzer Zeit ihre eigentliche Bedeutung und erreicht im Verbund mit der Musik die höhere Ebene eines traumhaften Zustands. Gleiches gilt natürlich auch für das von Ashley selbst mit sonorer Stimme rezitierte Titelstück der CD, bei dem er in die Rolle von Hector Berlioz schlüpft. Für den bereits 1979 geschriebenen Text diente ihm überraschenderweise Alvin Lucier als Vorbild, der sich zu dieser Zeit als eine Art Wiedergänger von Berlioz empfand.

Intensiv und ambient zugleich sind auch zwei Arbeiten Ashleys aus den 60er Jahren. Die langsam kreisende und dabei gänzlich in sich ruhende Komposition 'in memoriam Esteban Gomez' entstand 1963 als Teil einer vierteiligen Serie, die europäische Tendenzen in der Kunstwelt mit amerikanischen politischen Entwicklungen verglich. Die Idee zu den sich geisterhaft wie ein Gerücht im Raum ausbreitenden Phonemen des kontinuierlich wiederholten titelgebenden Satzes 'She was a Visitor' stammt aus dem Jahr 1967.

Dass die 1991 entwickelte, leicht schnulzige Komposition 'Outcome Inevitable' mit ihrer Mischung aus Eleganz und Müßiggang schließlich so etwas wie alteingesessenen, winterlichen Amsterdamer Charme verströmt, mag eine Laune der Psychogeographie sein - letztlich macht auch diese Interpretation nur deutlich, dass Ashleys in den ausführlichen Linernotes der CD zum Ausdruck kommende Zufriedenheit mit der Arbeit des MAE hochverdient ist. (08/08)


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