Autodigest - A compressed history of everything ever recorded, Vol. 2: Ubiquitous eternal live

Wider besseres Wissen versucht die Wahrnehmung mir weiszumachen, dass da Audiogeist und nicht Autodigest steht. Vielleicht liegt diese Unverbesserlichkeit darin begründet, dass der hier anzutreffende einstündige Applaus noch eine weitere Ebene in sich birgt. Denn es wird nicht die Art des Klatschens nachvollzogen, die nach erlebtem Kulturgenuss einen Puffer schafft, um den Wiedereintritt in die gewohnte Wirklichkeit zu ebnen, sondern es geht um jenes wilde, von Johlen und Kreischen angeheizte Applaudieren, wie es bei großen Rockkonzerten oder Fußballspielen anzutreffen ist. Momente, in denen sich Zuschauer in ihrer Rolle als Publikum oft bis an die Grenze der Besinnungslosigkeit selber feiern. Neben wirklich komischen Momenten offenbart sich dabei zunehmends die Eigenschaft des Hörers als entpersönlichter Konsument. Für Autodigest stellt der bloße Konsum von Musik ein viel tiefer gehenderes Problem unserer Zeit dar, als die viel bejammerte Krise der Musikindustrie. Im Zeitalter von 20.000 Musikstücken aus der Jackentasche ist es auch wirklich zweitrangig, ob diese mal gekauft, gerippt, gezogen oder gebrannt wurden. Vielmehr markiert die permanente Verfügbarkeit und das notwendige Verwalten von Musik eine neue Qualität: einen beiläufigeren und geringeren Stellenwert hatte Musik noch nie, und somit darf sie sich selbst dieser Tage den individuellen Soundtrack in die Entfremdung bereiten. Thank you! Good Night! (02/05)

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