In memoriam - Max Brand

Wer zum Teufel ist Max Brand? Im Gegensatz zu, sagen wir mal... Oskar Sala, ein bislang leider vergessener Pionier elektronischer Musik. Im Rahmen des Wiener Phonotaktik-Festivals ist nun diese Doppel-CD erschienen, um das zu ändern und ihm postume Ehre zuteil werden zu lassen. Sie dokumentiert einerseits sein Schaffen, liefert aber auch Interpretationen seiner Werke durch kontemporäre Wiener Musiker. Der dokumentierende Teil umfasst 18 Werke aus den 60er Jahren, die zum Teil auf einem eigens von Robert Moog für ihn entwickelten Instrument gespielt wurden. Bei den Stücken handelt es sich um recht unterschiedliche Werke, die von der Adaption einer brasilianischen Dschungellandschaft über abstrakte elektronische Walzer hin zu Werbung für den Opel Kadett und Schmerzmitteln reichen - es gibt kein einheitliches Klangbild, mal agiert Brand subtil, an anderen Stellen ergibt sich etwas sperriges. Zum dokumentierenden Teil gehören auch Dieter Kaufmanns Remix von Max Brands erfolgreichstem Werk, der in den 20er Jahren entstandenen Oper des 'Maschinisten Hopkins' und Curd Ducas 15minütiger Zusammenschnitt aus 15 Stunden Material, der wesentliche Aspekte freilegt und miteinander verschränkt. Angesichts des hohen Grades an Merkwürdigkeiten, den das Ausgangsmaterial bietet, haben es die auf der interpretierenden Ebene Agierenden schwer, schaffen es aber doch, das Bild um einige Aspekte zu erweitern. Pulsinger und Tunakan bleiben dabei dezent, Epy wirkt leicht elektroid, Alois Huber und Elmü agieren ambient und Quehenberger-Kollreider hörspielhaft. Pure, Pita und Radian bleiben erwartungsgemäß der geräuschhaften Ebene verhaftet und der Musikkreis MS20 gewinnt dem ganzen eine poppige Variante ab. Mit Sicherheit eine der spannendsten CDs des Jahres. (06/99)


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