China - The sonic Avantgarde

Das erste Stück dieser Doppel-CD legt gleich eine falsche Fährte, klingt es doch wie unzählige andere Stücke der internationalen Krachwelt. Aber glücklicherweise ist die Globalisierung noch nicht so weit fortgeschritten, dass es keine Unterschiede zwischen Musik aus China und solcher aus anderen Ecken der Welt gibt. Vielleicht ist es der reduzierte und leicht stoische Umgang mit Sound oder die Betonung musikalischer Elemente durch Pausen oder das allgemein sehr disziplinierte und akzentuierte Erscheinungsbild der erstaunlich widerspruchsfrei in den Kategorien von Pop bis Komposition agierenden Stücke, was sich als 'typisch' chinesisch labeln ließe. Zwischen Blöcke mit Tracks der Musiker sind als Puffer Field-Recordings, sogenannte 'Sound-Units', gepackt. Sie dokumentieren Szenen des täglichen Lebens wie Rufe von Marktschreiern, eine Minibusfahrt oder das Singen der Nationalhymne in einer Schule. Vor diesem Hintergrund wirkt die Musik noch um einiges seltsamer, als sie es ohnehin ist. Dass von jedem vertretenen Musiker gleich mehrere Tracks zu hören sind, relativiert den für Compilations typischen subjektiven Blickwinkel des Kurators auf angenehme Weise. Die Zusammenstellung stammt übrigens von Yao Dajün, der in den USA lebt. (10/03)

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