Anton Nikkilä - White Nights

Interessante Gegenüberstellung zweier Phänomene, die einen Blickwinkel auf den Gegensatz zwischen Ost und West eröffnen. Hier Muzak US-amerikanischer Herkunft und dort sowjetischer Technikkult. Anton Nikkilä hat in beiden Bereichen nach Material gesucht und stellt die Melodien des einen neben die Rhythmen des anderen. Es ist immer wieder erstaunlich, was Muzak-Melodien mit einem anstellen können. Wie bei Terre Thaemlitz' Umgang mit diesem Material vor einigen Jahren wollen einen auch die hier anzutreffenden Tonfolgen auf seifenblasenmäßige Art mitnehmen - und das gelingt ihnen, weil sie auf ihre wesentlichen Bestandteile reduziert sind und zudem permanent von Störgeräuschen gebrochen werden. Der sowjetische Technikkult lehnt sich durch rhythmisch arrangiertes Pulsen, Rauschen und Pfeifen gegen diesen Melodienwahnsinn auf, muss allerdings auch manchmal alleine auskommen. Dann geht es sehr geräuschmäßig zu, aber auch diese Sounds unterbreiten einem das Angebot sich in ihnen zu verlieren, nur auf eine vermeintlich 'saubere' Art. Sehr verlockende Analyse von Rohem und Poliertem, die natürlich laut nachvollzogen werden sollte. (10/02)

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