Sonic Arts Network - Agents of Impurity

Das britische 'Sonic Arts Network' startet mit dieser CD eine kuratierte Serie, die den persönlichen Blickwinkel auf musikalische Ereignisse in den Mittelpunkt stellt. Den Start macht Kenneth Goldsmith, und ein kurzer Blick auf die von ihm gehostete Website ubu.com genügt, um deutlich zu machen, dass hier eigentlich nur Essentielles versammelt sein kann. Sein Thema ist das gesprochene Wort, und er reiht Musik aus drei Jahrzehnten auf homogene Art aneinander. Man könnte denken, dass Antonin Artaud als Blaupause für die oftmals japanischen Noise bgleitenden Schreie fungiert haben könnte. Vito Acconcis Collage 'Ten packed Minutes' mit ihrem versponnenen Gesang steht neben Eric Belgums amüsantem Einblick in das alltägliche Mantra des Ehekrachs, welches wiederum von Zeitgenossen wie Asa Chang und Junray oder Radbound abgefedert wird. All das wird abgerundet von einem dekorativen Booklet im 7"-Format mit Poesie von u.a Gertrude Stein, Samuel Beckett oder Dan Graham. Ein Release, der manche Tür öffnet und Einblicke in den meisten sicherlich bislang verborgene Welten gewährt. (02/05)

Sonic Arts Network - Big Ears - Fitzgerald's Manifesto

Wer vermutet, Peer-to-Peer wäre ein auf Filesharing beschränktes Konzept, der irrt. Eine sehr frühe Vorstellung davon hat der Amerikaner Charles Fitzgerald bereits 1931 in den ersten Tagen des Radios formuliert. In seinem Manifest beschreibt er eine Art Etikette für Radiomenschen, um sie ihrer Verantwortung gegenüber dem Hörer zu sensibilisieren. Auch heute noch gibt es Leute, die sich dieser alten Schule verpflichtet fühlen - und natürlich sind es Briten. Knapp zwei Jahre hostete der Radioforscher Tim Steiner mit Gästen auf resonancefm in London die wöchentliche Sendung 'Big Ears'. Er hielt sich streng an die Richtlinien, bereitete jede Sendung mindestens acht Stunden lang vor, erschien frisch gewaschen im Studio, führte eloquent durch die Sendung und pflegte den Kontakt mit den Hörern auf Augenhöhe. Wie engagiert diese und andere Ideen in der Sendung abgehandelt wurden, erfährt man aus dem schönen Booklet dieser im 7"-Format verpackten CD. Musikalisch gibt's dort viel Vergangenes und einiges Neues zu entdecken: Country, Fluxusinspiriertes, Field-Recordings, Jingles, Noise, Pop, Exotica, Electronica, einen Stalin huldigenden Moskauer Kinderchor und immer wieder Zahlen und Tiergeräusche. Die Zusammenstellung ermuntert dazu, den eigenen Standpunkt gegenüber dem Radio zu reflektieren und ist ein Plädoyer für mehr Leidenschaft und Persönlichkeit im Äther. Man kann sich richtig leicht fühlen nach dem Hören. (09/05)

Sonic Arts Network - 'Pataphysics

Bislang war jeder Release des Sonic Arts Networks ein Grund zum Jubeln und auch dieser unter dem Banner der 'Pataphysik stehende bildet da keine Ausnahme. Der Kurator Andrew Hugill ist seit 1984 Mitglied am Collège de 'Pataphysique, an dem die Wissenschaft der imaginierten Lösungen seit nunmehr 58 Jahren gepflegt wird. Eloquent erläutert er in dem die CD begleitenden Büchlein die 'pathaphysische Relevanz des Kessels Buntem, den er da mittels 22 Musikstücken zusammengetragen hat. Deren ältestes nimmt John Cages Idee zu '4.33' um knapp sieben Dekaden vorweg. Weil die 'Pataphysik ein immens großes Terrain abdeckt, findet man auch Musik von üblicherweise unterrepräsentierten Leuten wie Boris Vian, Marcel Duchamp, Robert Wyatt, Harpo Marx oder dem Projekt GulliBloon. Jedes Mitglied des Netzwerks bekommt die herausgegebenen CDs samt aufwendig gestalteten Booklet übrigens dreimal im Jahr nach Hause geschickt. Mehr Infos dazu unter www.sonicartsnetwork.org (03/06)

Sonic Arts Network - Frankfurter Ahnung

Nach all den Top-Releases kommt die erste richtig grottige Veröffentlichung des Netzwerks umso überraschender: ein Sack voller Musik mit Bart - jazzartiges und anderes schwer verdauliche Zeug der Upper Class: so genannte Avantgarde und freie Improvisation mit all ihrem Regelwerk. Kurator Ben Watson sitzt offensichtlich in einem viel schlimmeren Elfenbeinturm als die, die er dessen bezichtigt. (05/06)

Sonic Arts Network - Music dances itself

Im Gegensatz zu den bisherigen Releases des Netzwerks ist die Musikauswahl dieser Compilation nicht konzeptionell bedingt, sondern ergibt sich lediglich aus persönlichen Vorlieben - in diesem Fall die der japanischen Performerin und Tänzerin Junko Wada. Für ihre erste Compilation hat sie sehr ruhige, aber dennoch vielschichtige Stücke ausgewählt und einer stillen Dramaturgie folgend aneinandergereiht. Die meisten der Musiker, etwa Gordon Monahan, Werner Durand, Arno P. Jiri Kraehan (aka Jiri Ceiver), Hans Peter Kuhn oder Christina Kubisch leben, wie Wada selbst übrigens auch, in Berlin. Anhand der genannten Musiker lässt sich vielleicht ahnen, dass die Stimmung dieser Sammlung eher am jenseitigen Ende der Skala von Tanz zu finden ist - da wo die Zeit stillzustehen scheint und die Bewegungen immer langsamer werden. Ein Release für alle, die bislang mit Tanz ihre Probleme hatten, und für die Tänzerinnen und Tänzer da draußen sowieso. Lasst euch von Junko Wada an die Hand nehmen und taucht ein in den Bereich der Welt, den sie mit euch teilen will. (10/06)

Sonic Arts Network - The Topography of Chance

Die vom Briefträger in den Postkasten gesteckten Releases des Sonic Arts Networks aus London erinnern mich an Geschenke in Form von Kassetten oder MDs mit bis dato unbekannter und merkwürdiger Musik. Die Damen und Herren des Netzwerks haben ein gutes Gespür bei der Auswahl der Kuratoren für ihre Releases. Auch der für die Topografie des Zufalls verantwortliche Komödiant Stewart Lee macht da keine Ausnahme: Mark E. Smith verliest für die BBC die Fußballergebnisse der englischen Ligen wie ein intoxikierter Pastor das Neue Testament, Rodd Keith sucht in amerikanischen Weiten Beistand für sein gebrochenes Herz und von einem Zaun getrennte Familien auf den Golanhöhen unterhalten sich mittels Megaphonen. Außerdem geht es noch um visionäre britische Landschaften und andere Obskuritäten. Wieder mal Bestnote für Style und Content. Bitte so weitermachen! Danke. (04/07)

Sonic Arts Network - Periférico

Es ist sicher gut gemeint und auch im Sinne der Völkerverständigung, wenn Kuratoren Bewohner der Ersten Welt mit Kunst aus den ehemaligen Kolonien konfrontieren. Demgemäß gibt es hier abstraktes, rhythmisches, elektronisches und Hip Hop aus Ländern wie Brasilien, Angola, Kolumbien, dem Iran oder Libanon zu hören. Wenn ein Musiker wie Kamran Rastegar allerdings seit einem Vierteljahrhundert vorwiegend nicht mehr in dem Land lebt, das hinter seinem Namen in Klammern steht, riecht das nach Ethnic Marketing. Auch dass die Rolle Israels ausschließlich von Musikern betrachtet wird, aus deren Regionen regelmäßig Bomben auf den Judenstaat fliegen, macht den Release nicht sympathischer. Kurator Victor Gama hat so etwas wie eine mäßig inspirierende Wundertüte zusammengetragen, in der jeder was finden wird - das meiste dürfte den meisten aber ziemlich egal sein und fremd bleiben. Eine Veröffentlichung für vom schlechten Gewissen geplagte Gutmenschen. (01/08)



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